Marie-Claude Deffarge & Gordian Troeller - Keine Bilder zum Träumen
Marie-Claude Deffarge & Gordian Troeller - Keine Bilder zum Träumen
Marie-Claude Deffarge (1924 – 1984) und Gordian Troeller (1917 – 2003) sind eine Ausnahmeerscheinung des europäischen Journalismus. Gebürtig aus Frankreich und Luxemburg, informierten sie als Team viele Jahrzehnte lang mit Bildreportagen und Filmen ein Millionenpublikum in der Bundesrepublik Deutschland, Luxemburg, Frankreich und anderen Ländern über die Krisen der Welt. Es entstand die Marke Troeller / Deffarge, die in dieser Ausstellung, anlässlich des 100-jährigen Geburtstags von Marie-Claude Deffarge einem Perspektivwechsel unterzogen wurde.
Hoch gewürdigt und kontrovers diskutiert trug ihr Werk in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu Debatten über Revolutionen, Entwicklungshilfe und Feminismus bei. Polyglott und auf Augenhöhe begegneten sie Menschen in fünf Kontinenten, deren Leben von Kolonisation und Globalisierung gezeichnet war. Kompromisslos hielten sie ihrem europäischen Publikum den Spiegel vor und brachen mit den politischen Gewissheiten ihrer Zeit. Gestützt auf akribische Recherchen traten sie gegen den vorherrschenden Sensationsjournalismus an. Ihr Ziel: der Abbau des Eurozentrismus und die Förderung interkulturellen Verständnisses. Mit ihrer subjektiven und beharrlichen Berichterstattung waren Deffarge & Troeller nah am Puls der Zeit – und ihr oft auch voraus. Hierzu zählt, dass sie Fehleinschätzungen auch korrigierten.
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In dieser Ausstellung kommen das fotografische und filmische Werk von Deffarge & Troeller in einem musealen Rahmen zusammen. Ihr umfassendes Archiv, bewahrt am Museum Folkwang und am Centre national de l’audiovisuel (CNA), stellt eine Quelle dar, um die Wurzeln von Wirtschaftskrisen, Flüchtlingsbewegungen, Umweltzerstörung und Diskriminierung in unserer heutigen Zeit besser zu verstehen. Die Ausstellung zeichnet die Entwicklung von Deffarge & Troeller ab den 1950er-Jahren anhand ihrer Projekte und wiederkehrenden Themen in Fotografie und Film nach und gibt Einblicke in ihre Arbeitsweise und ihr intellektuelles Netzwerk, dem viele Mitstreiter:innen und insbesondere Ingrid Becker-Ross angehörten. Überraschend früh ist die Welt im Werk von Deffarge & Troeller nicht schwarz-weiß, sondern transmedial und vielschichtig in ihren Botschaften.
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Im Jahr 2025 wurde die Ausstellung erstmals im Museum Folkwang mit aktiver Unterstützung des CNA gezeigt. Für die Präsentation in Luxemburg, wurde diese umgestaltet, für das neue Setting des Pomhouse adaptiert und die Thematik der Verbindung zwischen Gordian Troeller und Luxemburg weiter ausgebaut. Im Sommer 2026 wird zudem eine Abwandlung der Ausstellung in Arles, Frankreich im Rahmen des Fotofestivals Rencontres d’Arles gezeigt. Die drei Präsentationen wurden ermöglicht durch die Unterstützung des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen und Le Gouvernement Du Grand-Duché de Luxembourg – Ministère de la Culture.